Wissenwertes
Pfandsysteme in Europa - Schlüsselrolle für die Kreislaufwirtschaft
Das deutsche Pfandsystem der DPG ist gerade 18 Jahre alt und damit volljährig – es war eines der ersten und gilt als eines der erfolgreichsten in Europa. Es war Vorreiter eines neuen Prinzips, das ein junger Schwede erdacht hatte und das vom damaligen Umweltminister Klaus Töpfer zum ersten Mal in einem großen europäischen Markt umgesetzt wurde. Für ein besseres Abfallmanagement sollten nach diesem Prinzip nicht länger nur die Behörden sorgen, sondern auch die Hersteller selbst. Er nannte es die “erweiterte Herstellerverantwortung (EPR)” und hatte einen neuen Leitgedanken geprägt. Wenig später, 1992 auf der Konferenz der Vereinten Nationen in Rio, wurde das Vorsorge- und Verursacherprinzip das erste Mal international diskutiert.
Wie alles begann: Die Ursprünge des deutschen Pfandsystems und der erweiterten Herstellerverantwortung
Die Pfandpflicht selbst wurde in Deutschland zwar 2003 erstmalig implementiert, aber erst durch die Arbeit der DPG gelang die schnelle und effiziente Umsetzung aller politischen Vorgaben über den Aufbau eines Netzwerkes und die administrative Begleitung der systemrelevanten Prozesse: so entstand Rechtssicherheit für alle beteiligten Systemteilnehmer und -partner. Das DPG-System hat seit seiner Einführung im Jahr 2006 eine spürbare Lenkungswirkung auf den deutschen Verpackungsmarkt entwickeln können und beschert den Beteiligten heute eine neue Ressourcenquelle in Form von wertvollen Kunststoff-Rezyklaten und Aluminium.
Konsequentes Ziel schon damals: das von Beginn an fest in nachhaltige Materialkreisläufe eingebundene Pfandsystem für gekennzeichnete Einweggetränkeverpackungen der DPG leistet einen wesentlichen Beitrag zur Abfallreduktion und Ressourcenschonung. Rücklaufquoten von mehr als 98 Prozent unterstreichen die breite Verbraucherakzeptanz und den ökologischen Erfolg des DPG-Systems, es ist im internationalen Vergleich eines der leistungsstärksten Rücknahmesysteme für Einweggetränkeverpackungen in Europa.
Inzwischen gehört die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) zu den Eckpfeilern der Wirtschaftspolitik weltweit. Die Europäische Union war 2008 die erste politische Institution, die sich dieses Prinzip zu eigen machte und den Weg für einen nachhaltigeren und effizienteren Umgang mit Ressourcen ebnete. Das europäische Beispiel veranlasste die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Anfang der 2000er Jahre, das Prinzip zur Erhöhung der Recyclingziele und zur Erschließung neuer, wertvoller Sekundärmärkte zu empfehlen.
Pfandautomaten für Getränkeverpackungen waren nur der Anfang und man weitete das Prinzip der Sammlung und Wiederverwendung auf andere Materialien und Stoffströme aus: Damit war das Ende der linearen Wirtschaft eingeleitet, Pfandsysteme sind zu Schlüsselakteuren beim nachhaltigen Wirtschaftswachstum geworden.
Stand der Umsetzung in Europa
Ein Blick über die deutschen Landesgrenzen zeigt: das Modell Pfandsystem hat tatsächlich weiter Schule gemacht. Begonnen hatten die Schweden mit ersten Rücknahmesystemen für Dosen, einige nordische Länder folgten, aber trotz der überzeugenden Ergebnisse nach der Einführung in den deutschen Markt waren nicht alle gleichermaßen überzeugt. Inzwischen bestehen unterschiedliche, aber erfolgreiche Pfandsysteme auch in: Dänemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Malta, den Niederlanden, Norwegen,Rumänien, der Slowakei, Schweden und Ungarn. Und seit Beginn des Jahres 2025 gilt ein neues Einwegpfandsystem für Plastikflaschen und Getränkedosen auch in Österreich, um die Sammelquoten zu erhöhen und die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Konsequent fortgesetzt wird diese Entwicklung durch die im Februar beschlossene EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die ab 2026 rechtsverbindlich ist und eine Einführung von Pfandsystemen für Einweggetränkeverpackungen in allen Mitgliedsstaaten vorsieht.
Grob betrachtet haben sich zwei Typen von Pfandsystemen herausgebildet, deren Bestand durch die PPWR nun gesichert wird, denn eingeführte funktionierende Systeme sollen bleiben:
A Die zentrale Organisation

Der Systembetreiber ist operativ eingebunden. Er nimmt die Pfandgelder ein und verwaltet sie. Er ist teils sogar Eigner der Rücknahmeinfrastruktur und verantwortet die logistischen Prozesse, über welche die zurückgenommenen Materialien einer hochwertigen Verwertung zugeführt werden.
B Die dezentrale Organisation – wie die DPG

Der Systembetreiber schafft geeignete organisatorische, rechtliche und technische Rahmenbedingungen, ist operativ aber nicht eingebunden und verwaltet weder Pfandgelder noch besitzt er Rücknahmeinfrastruktur oder Materialien.
Inzwischen gibt es in Europa bereits 17 Mitgliedsstaaten, in welchen Pfandsysteme für Einweggetränkeverpackungen erfolgreich die Basis für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft legen.
Das Deutsche Pfandsystem ist mit derzeit mehr als 18 Mrd. Einweggetränkeverpackungen pro Jahr das größte Pfandsystem in der EU. Mit einer Rücklaufquote von mehr als 98 Prozent zählt es darüber hinaus zu den leistungsstärksten. Die DPG ist, mit ihren mehr als 18 Jahren Erfahrung als Pfandsystembetreiber, Ansprechpartnerin für politische Vertreter aber auch andere Mitgliedsstaaten, Händler und Industrievertreter - alle, die sich der Herausforderung ein Pfandsystem einzuführen, stellen.
Die DPG Deutsche Pfandsystem GmbH hat ein hoch effizientes, sich selbst tragendes Netzwerk initiiert und sukzessive erweitert, in dem heute mehr als 1.000 Stakeholder kooperieren. Es ist resilient – also so konstruiert, dass es flexibel reagieren kann und auch bei zukünftigen Erweiterungen skalierbar bleibt.
Viele Anrufe und Besuche bei der DPG in den letzten Wochen bestätigen, dass durch die neuen Vorgaben aus Brüssel auch im Kerneuropa etwas in Bewegung ist. Die DPG berichtet jederzeit gern von ihren Erfahrungen und teilt sie mit den europäischen Nachbarn: von der Definition zu den behördlichen Schnittstellen über das Design einer effizienten Systemsteuerung bis hin zur Nutzung von Sicherheitstechnologie.